Leben und Leben lassen

Leben und Leben lassen

Frau, Mann, Transgender? Arm, reich, intro- oder extravertiert? Tolerant oder intolerant? Schweinefleischesser oder nicht? Alkoholtrinkender oder nicht? Vegetarier, Veganer? Mutig, ängstlich? Interessiert an kulturellen Angeboten oder eher an der täglichen Trashsendung? Politisch rechts, links, in der Mitte verortet?

Alles nebensächlich? Das sollte es meiner Meinung nach sein.

“Leben und leben lassen” haben sich die Bayern auf die Fahnen geschrieben.

Und im wirklichwahren Leben, ist das so? In Bayern und in den anderen Bundesländern?

Spätestens seit der Diskussion der Grünen über die verpflichtende Einführung eines “Veggiedays” in den Kantinen beschleicht mich immer mehr ein ungutes, unwohles Gefühl, fremdbestimmt zu werden. Betreut von wohlmeinenden Politikern jeglicher Couleur beim Denken und Handeln. Und leider sind es in meiner Wahrnehmung zunehmend nicht nur unsere Politiker (vor allem die, die sich dem gutlinken Spektrum zuordnen), die meinen, Denken und Handeln bestimmen, lenken und leiten zu können (und zu müssen). Das wohlwollende Führen und Leiten äußert sich in jovial überheblicher Manier durch all die Menschen, die wissen, was sich gehört:
Sei es, weil sie dies qua ihrer beruflichen Position für sich beanspruchen, sei es qua ihrer politischen Ausrichtung oder eben nur durch ihre Anpassung an den vorherrschenden Meinungsmainstream und die dadurch erworbene gefühlte Berechtigung, die richtige Meinung zu vertreten.

Und wer hinterfragt oder widerspricht, scheint noch nicht zu wissen, was sich gehört, wie man sich gesellschaftskonform zu verhalten und was man zu denken hat.

Ich verliere meine Verortung und meine Orientierung in unserer Gesellschaft, mein Weltbild gerät immer mehr ins Wanken:

Eher im linken Spektrum sozialisiert und sich hier lange und ohne zu hinterfragen wohlfühlend, bin ich inzwischen heimatlos geworden. Nicht nur politisch, sondern auch im gesellschaftlichen Kontext. ich weiß nicht mehr, wo ich hingehöre, wo ich mich einordnen oder welcher Auffassung ich mich zuordnen kann. Ich traue mich immer weniger, meine Meinung zu äußern, da sie nicht immer dem Mainstream zu entsprechen scheint.

Denn inzwischen verfolgt mich ständig ein linksorientiertes Meinungsdiktat, wohlwollend gut gemeint und dies auch einfordernd. Ich werde belehrt und ermahnt, wenn ich Zeitung (analog und digital) lese, wenn ich den Fernseher oder das Radio einschalte (vor allem der erzieherische Duktus der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten missfällt mir zunehmend, der ständig erhobene Zeigefinger), in Gesprächen mit Bekannten, Freunden, Kollegen, Verwandten…

Jeder scheint inzwischen eine Botschaft zu transportieren – und wenn du damit nicht einverstanden bist, dann scheint es nicht mehr, wie zu früheren Zeiten durchaus üblich, die Regel zu sein, dass das Gegenüber zuhört, meine Argumente gegen seine abwägt, diskutiert, man einen Konsenz findet, oder eben nicht (aber daran zerbricht die Beziehung nicht). Nein, es scheint nur gut oder schlecht zu geben. Schwarz oder weiß. Helldeutschland oder Dunkeldeutschland.

Ich wünsche mir so sehr eine wahrhaftige, respektgetragene Debattenkultur zurück, in der jede und jeder willkommen ist, seine Meinung kundzutun. In der jede demokratisch gewählte Partei und deren Mitglieder respektvoll behandelt werden, auch wenn die Aussagen nicht der eigenen Meinung entsprechen. Das verstehe ich unter “Leben und Leben lassen”. Unter einer offenen Gesellschaft.

Unsere Gesellschaft scheint mir unter dem Deckmantel der Offenheit immer mehr intolerant und engstirniger zu werden.

“Bist du nicht gut, zeig’ ich dir schon, was ich darunter verstehe und wie du dich zu verhalten hast.”

Unsere Gesellschaft scheint sich immer mehr zu spalten und diese Spaltung geht meiner Meinung nach hauptsächlich von der guten, linksorientierten Meinungsführerschaft aus.

Wohin steuert unsere Gesellschaft?
Was geschieht in unserem schönen Land, einst das Land der Dichter und Denker?
Werden wir auch zukünftig frei leben, denken und handeln können?


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.