Nachverdichtung

Nachverdichtung

Ich lebe in einer schönen Großstadt, in München. Ich lebe hier seit fast drei Jahrzehnten und es dauerte lange, bis ich die Stadt schätzen und lieben lernte. Aber irgendwann war es soweit – ich fühle mich hier wohl und verwurzelt.

Sehr zu schätzen weiß ich einerseits die Anonymität der Stadt, aber München ist nicht unüberschaubar groß. Und München ist grün, ich liebe die Parks, die teilweise großzügigen Innenhöfe mitten in der Stadt, die renaturierte Isar… die vielen Optionen, die sich mir täglich bieten.

Natürlich könnte ich noch viel mehr dieser Möglichkeiten aufzählen:
Die ärztliche Versorgung, die vielfältigen Arbeitsmöglichkeiten, das attraktive Freizeitangebot, das kulturelle Angebot, …
München ist attraktiv, ich bin mit meiner Sicht nicht alleine. Und es werden immer mehr Menschen die es nach München oder in andere Großstädte zieht.

Ich bemerke, wie sich mein Stadtteil verändert:

Wohnortnahe Parkplätze werden zunehmend weniger, tägliche stauen sich die Autoschlangen in den Einfallsstraßen, die U- und S-Bahnen sind überfüllt, die Radlfahrer werden immer mehr und gefährden sich und die anderen Verkehrsteilnehmer. Und es wird nachverdichtet.

Die Wohnhäuser werden aufgestockt, die vormals grünen Innenhöfe weichen weiteren Wohnblöcken. Ja, ich kann es verstehen, dass München (und jede andere Großsstadt vermutlich auch) viele Menschen anlockt. Aber es ist einen Tatsache, dass sich viele Münchner keinen größeren und bezahlbaren Wohnraum mehr leisten können und aus der Stadt ausziehen müssen (es trifft Junge und Alte ebenso) – ein Thema, das einen eigenen Beitrag verdient.

Ja, die Menschen in der Stadt brauchen meiner Ansicht nach einen Raum, in dem sie sich erholen können. Das boten ihnen die Innenhöfe und die Häuser, die statt 4,5, oder 6 Geschossen nur dreigeschossig waren.

Aber wie soll sich der Mensch regenerieren, wenn:

  • es immer mehr Menschen werden
  • es dadurch immer mehr Autos gibt? (Derzeit wird wegen der hohen Ozonbelastung wieder gebeten, möglichst auf das Auto zu verzichten)
  • die Grünflächen verschwinden?
  • die umliegenden Ländereien der Bauern möglicherweise auch in Zukunft großen Siedlungen weichen?

Die Bemerkung eines Bekannten „Zieh doch aufs Land, du bist wohl für das Stadtleben nicht mehr geeignet“, hilft mir auch nicht weiter, da ich ja die Stadt so liebe und hier auch meinen Lebensmittelpunkt habe.

Ich habe keine schnelle Lösung parat, vor allem, weil immer und immer noch mehr Menschen in dieser Stadt leben wollen. Auf wessen Kosten aber geschieht das? Auf Kosten derer, die hier schon lange verwurzelt sind? Ist das infam, so zu denken?


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