Die verletzte Gesellschaft und die moralischen Instanzen

  • Beitrags-Kategorie:Unbetreute Gedanken
  • Lesedauer:8 min Lesezeit
Meine Angst vor einer zunehmenden Radikalisierung unserer Gesellschaft und die Verantwortung von Politik und Medien

Nun ist also wieder etwas Unfassbares passiert:

Wieder haben Menschen ihre Leben verloren, wurden ihren Familien und Freunden jäh genommen. Nicht zu vergessen, die (zum Teil schwer) an Körper und Seele Verletzten.

Und der Täter ist tot. Richtete sich selbst, nachdem er neun Menschen in zwei Shisha-Bars erschoss, dann noch seine Mutter. Es war, wie sich herausstellte, ein deutscher Täter, geistig sehr verwirrt, krank möglicherweise, mit rassistisch-antisemitisch-antiamerikanisch geprägten Gedanken. Er scheint Stimmen gehört zu haben und sich als Opfer von Verschwörungen gesehen zu haben. Er durfte als Sportschütze Waffen besitzen und es scheint so zu sein, als wäre er vielen Menschen schon lange Zeit als verwirrt aufgefallen. Eine Tragödie!

Was ich mir gewünscht hätte: Eine sachliche Berichterstattung, keine Vorverurteilung und politisch-mediale Instrumentalisierung.

Was wir in den meisten Medien bekommen haben: Eine sofortige pauschalisierte Schuldzuweisung an die Partei, deren Namen man sich langsam angewöhnen sollte, nicht mehr laut auszusprechen. An deren Wähler und Sympathisanten. An alle Menschen, die mit ihren Äußerungen Hass, Hetze und Rassismus verbreiten, egal was sie schreiben oder sagen: Ist es nicht „konform“, so ist es ganz sicher bestimmt eindeutig Hass und Hetze oder bereitet den Nährboden dafür.

Ich verurteile Gewalt. Dabei mache ich keinen Unterschied zwischen „rechts“ oder „links“ motivierter oder aus anderen Gründen erfolgte Gewalt. Ich finde es zutiefst verabscheuungswürdig, wenn Menschen brutal mit anderen Menschen umgehen, sie bedrohen, misshandeln, demütigen, verängstigen, einschüchtern, ihren Leib und ihr Leben bedrohen, sie verletzen, verstümmeln oder töten. Das entspricht nicht meinem Weltbild und meiner Wertevorstellung, das empfinde ich als archaisch, nicht meiner Kultur würdig.

Ich habe Angst: Zunächst nicht davor, Opfer eines Anschlages zu werden, aber davor, dass Gewalttaten, Anschläge, Opfer, Leid, zunehmen werden.

Dass sich islamistisch motivierter Terror in Deutschland ausbreiten wird, scheint seit den offenen Grenzen von 2015 nur eine Frage der Zeit zu sein: Köln, der Anschlag auf dem Breitscheidplatz und die vielen vielen Einzelfälle scheinen das zu bestätigen – vor 2015 waren mir solche Taten nicht gegenwärtig.

Was mich schon länger verärgert, nun aber langsam in Angst umschlägt, ist die unglaubliche Arroganz und der Umgang unserer Politiker mit diesen Anschlägen und mit den Sorgen der Menschen in unserer Gesellschaft, die hier ihre Heimat haben:

Jegliche Kritik am System der offenen Grenzen, an der staatlichen Alimentierung der (weiterhin) in unser Land strömenden Menschen, teilweise ohne ihre Identitäten zu kennen, an der „Seenotrettung“ – jegliche Äußerung von Sorge, ob unser Sozialsystem dies alles langfristig noch wird leisten können, ob eine Integration von so vielen Menschen, deren Wertesystem ein völlig anderes ist als unser christlich-jüdisch-humanistisch-geprägtes, gelingen kann und – falls nicht, was das für Konsequenzen für unsere Gesellschaft haben wird – wird sofort als Äußerung eines Nazis oder Faschisten gebrandmarkt.

Keine der großen Altparteien scheint sich in unserer heutigen Zeit zunächst für die Interessen, Sorgen und Probleme unserer eingeborenen Bevölkerung oder den gut integrierten, schon länger hier lebenden Menschen zu interessieren – die deutsche Flagge darf im Privaten gehisst werden, falls eine Fußballweltmeisterschaft gewonnen werden könnte – ansonsten scheint das ein verwerflicher Akt von Deutschtum und dessen Überhöhung zu sein. Ganz klar demonstriert von unserer Kanzlerin auf einer Wahlveranstaltung in Hessen 2014.
Es ist nicht so, dass ich gerne eine Deutschlandflagge von meinem Fenster herabwehen lassen möchte, ich betrachte die Fahne eher symbolisch für eine Zugehörigkeit der Menschen zu ihrem Heimatland.

Diese Zugehörigkeit darf es anscheinend in Deutschland nicht geben. Wir Deutschen sollen tolerant allen Kulturen gegenüber sein, Menschen anderer Kulturen wertschätzen und aufnehmen, egal wie sie mit uns umgehen. Unsere eigene Kultur sollen wir lieber verleugnen. Stolz auf die eigene Kultur und das, was deutsche Dichter, Wissenschaftler, Musiker, einfache Menschen, geschaffen und geprägt haben, dürfen wir anscheinend nie nie nie wieder sein.

Dazu scheint die Schuld, die sich unser deutsches Volk während des Nationalsozialismus aufgeladen hat, zu übermäßig groß und stets in alle Ewigkeit ein allumklammernder wegweisender Bestandteil unserer Nation zu sein. Wer heutzutage nicht sofort in die bedingungslose Offenheit und Toleranz gegenüber allem Neuen, Fremden, Ungewohntem und vielleicht auch Beängstigendem einstimmt – wer kritisch hinterfragt – der ist ein Nazi, ein Faschist. Die Politik macht vor dieser Zuordnung keinen Halt, der normale Bürger schweigt, nimmt hin, hat Angst vor Repressalien, wenn er sich äußert.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich verabscheue die Verbrechen der Nationalsozialisten. Ich verabscheue sie, wie alle Verbrechen diktatorischer Regime, aller ideologisch geprägter Regime. Ich kann es nicht begreifen, dass in Deutschland so sehr viele Menschen verfolgt und umgebracht wurden. Ich wünsche mir, dass so etwas bei uns nie mehr wieder passieren wird. Und ich bin der Meinung, dass wir diese Verbrechen nie vergessen dürfen!

Aber ich glaube, dass ein gesunder Umgang mit unserer Vergangenheit und damit meine ich neben der Auseinandersetzung mit den Verbrechen der Nationalsozialisten auch eine Auseinandersetzung mit unseren über Jahrhunderte gewachsenen Werten, unserer Kultur, unserer gewachsenen Gesellschaft ganz entscheidend für stabile Verhältnisse in unserem Land ist. Frei nach Maslow würde ich sagen, dass die Erfüllung der Bedürfnisse der eingeborenen Menschen in unserem Land entscheidend für die Stabilität in unserer Gesellschaft ist. Und damit ein ganz maßgeblicher Faktor für ein offenes und tolerantes Deutschland ist.

Ein sehr von mir geschätzter und vielgereister Mensch war immer davon überzeugt: „Deutschland ist mit das toleranteste und ausländerfreundlichste Land, das ich kenne“. Inzwischen trägt er große Sorge, dass diese Freundlichkeit und Toleranz immer mehr verloren geht.

Ich habe Angst, dass die Menschen sich entweder zurückziehen, ihnen alles egal wird, Anabell Schunke hat dies [hier] wunderbar beschrieben, oder aber dass sich Menschen, egal ob irre Einzeltäter, oder in Gruppen, radikalisieren werden und es zu weiteren schrecklichen Taten kommen wird.

Ich bin fassungslos, dass Jakob Augstein oder Jan Böhmermann ohne Konsequenzen, Sätze wie die folgenden verbreiten dürfen:

„Die Wegbereiter der Gewalt haben Namen und Adresse: Sarrazin, Broder, Tichy, und andere, die die Verrohung des Diskurses vorangetrieben haben. Zuerst kommen die Worte, dann die Taten. Das ist bei den Rechtsterroristen so, wie bei den Islamisten.“ (Augstein) [siehe hier]

„Wir müssen die Stichwortgeber benennen, all diese neurechten Plattformen, deren Geschäftsmodell auf Hetze und Falschbehauptungen beruht – von Roland Tichy über Henryk M. Broder bis hin zu eindeutig rechtsradikalen Blogs.“ (Böhmermann) [siehe hier]

Orgiastisch zelebrieren die Mainstream-Medien, vereint in ihrem linken Einheitsduktus und ihrem überheblichen Dünkel diktieren zu können, welche Meinung das sie bezahlende Volk zu haben hat, die Demontage von nicht konform denkenden Menschen und Medien. Bejubelt und befeuert von opportunistischen Politikerclowns und -statisten, ihren Beschützern aus der Antifa und den linken Organisationen, geadelt durch Vorsitzende, die ehemals der Stasi zuarbeiteten oder Parteien, die das Unrechtregime der DDR bis heute nicht als solches bezeichnet haben.

Macht alles nichts, wird nicht drüber geredet, wer sollte es auch? Diejenigen, die das Sagen haben, sind die Kinder der 1968er Generation. Wie Robert Habeck in seinem Buch „Patriotismus – Ein linkes Plädoyer“ 2010 schrieb: „Um Politiker zu werden, braucht man keine Ausbildung, noch nicht einmal Fachwissen, eher Qualitäten wie Kommunikationsgeschick, Auffassungsgabe, Redetalent – lauter Dinge, die man als „training on the job“ nirgendwo als in der Politik erwerben kann. (Und manche, die sich Politiker nennen, haben noch nicht mal das gelernt): Das erklärt besser als irgendwelche Karrieregeilheit-Vorwürfe, warum so viele Funktionsträger im System Politik aufsteigen und ein Quereinstieg so selten gelingt. Politiker zu sein, lernt man am besten und eigentlich nur in der Politik.“
Mehr Verachtung für dieses verantwortungsvolle Amt kann man eigentlich kaum ausdrücken.

Warum nur findet sich unter unseren Volksvertretern niemand mehr, der die Größe besitzt, dieses Land, sein Volk, zu einen. Jemand, der aus Liebe zu seinem Volk handelt, der uneigennützig und uneitel Politik für seine Bürger macht, statt überheblich zu moralisieren und sich gemein zu machen mit denen, die den inneren Frieden und die Freiheit der Bürger unseres Landes bedrohen? Jemand, der die Meinungsfreiheit als höchstes Gut bewahrt und der sein Volk schützt – auch und gerade die, die kritisch fragen oder schreiben. Jemand, der sich nicht hinter die stellt, die intolerant von Toleranz, Offenheit und Vielfalt reden und die damit nicht nur eine Spaltung der Gesellschaft in Kauf nehmen, sondern diese provozieren und vorantreiben.

Ich will diese Angst nicht haben. Aber ich wähne mich derzeit in einer unerfreulichen Endlosschleife gefangen, ein Entkommen scheint nur durch opportunes Mitlaufen möglich. Hinnehmen mag ich das nicht.