Mit Menschen arbeiten

  • Beitrags-Kategorie:Unbetreute Gedanken
  • Lesedauer:3 min Lesezeit
Nichtwissen als Grundlage zum Arbeiten im Sozialen Bereich

Wenn ich gefragt werde, was ich arbeite, antworte ich häufig: „Ich arbeite mit Menschen“. Doch eigentlich ist diese Aussage meiner Meinung nach nicht greifbar. Mit Menschen arbeiten. Sind sie mein Arbeitsmaterial, leite ich sie zur Arbeit an? Und arbeitet nicht fast jeder in unserer Arbeitswelt für oder mit Menschen? Häufig schiebe ich dann noch „In der Beratung“ erklärend nach.

Ich könnte das nicht

Oft ernte ich dann Anerkennung und Aussagen wie „Toll, ist bestimmt schwer. Ich könnte das nicht“. Nun, ich sehe das anders. Ich frage mich häufig: „Warum hast du nicht Gescheites gelernt?“ Damit meine ich eine handfeste Arbeit, ein Handwerk beispielsweise, das zufriedenstellt, wenn das Tagwerk verrichtet ist und ein Ergebnis zu sehen ist. Ich habe sogar einen Handwerksberuf erlernt, einen sehr alten, inzwischen fast ausgestorbenen Beruf, ich kann Hüte machen. Jedoch trage ich selbst keine Hüte und ich habe auch keine Werkstatt, meine Hüte wären so teuer, wollte ich davon leben, dass es schwierig wäre, sie zu vertreiben.

Mit Menschen zu arbeiten, ohne zu wissen in welchem Berufsfeld, war meine Motivation noch lange bevor ich die Schule beendete. „Gutes Tun“ war dabei die Triebfeder, „was Soziales machen“.

Erfolge und Rückschläge

Ich bin sehr gerne für Menschen da, unterstütze sie dabei, selbst für sich zu sorgen. Ich motiviere, spreche Mut zu, frage nach, bringe Menschen dazu, eigene Problemlösungen zu erarbeiten und gut für sich zu sorgen. Ich bringe die Menschen dazu, ihre eigenen Ressourcen zu erkennen und zu nutzen. Ich höre zu und bin ganz bei der Sache. Ich schenke dem Menschen in der Zeitspanne, die ich für ihn anberaumt habe, meine ganze Aufmerksamkeit. Meine Empathie, mein Mitgefühl. Und ich bekomme oft viel zurück. Ein Dankeschön, ein Lächeln, ein Erfolgserlebnis, wenn ein Ziel erreicht wurde.

Ich muss auch mit Misserfolgen leben. Mit dem Zweifel an meinen Kompetenzen, mit dem Erkennen meiner eigenen Grenzen. Mit Rückschlägen, wenn es doch nicht so läuft, wie geplant. Wenn die Menschen mich Demut lehren: Nicht ich bin es, die den Weg vorgibt, nein, das sind die Menschen, mit denen ich arbeite.

Kein Tag wie der andere

Kein Tag ist wie der andere. Kein Mensch ist wie der andere. Manche Situationen lassen sich nicht voraussehen. Oft sehne ich mich danach, mal weniger Verantwortung zu tragen, ich halte meine Tätigkeit für sehr verantwortungsvoll. Manchmal ist mir alles zuviel. Manchmal ist mir die Last zu schwer. Dann mag ich nicht mehr. Aber die Menschen sind meine Motivation, deshalb bin ich immer noch dabei. Und werde immer noch überrascht.

Ich weiß, dass ich nichts weiß

Mein Antrieb: „Ich weiß, dass ich nichts weiß“. Wenn ein neuer Mensch zu mir kommt, bin ich blank. Ich kenne ihn nicht. Das Bild entsteht im Laufe der Zeit.