Warum ich derzeit an der Welt zweifle und immer weniger glauben kann

Meine Tochter feierte am 12. März 2020 ihren 25. Geburtstag. Das war der letzte Tag in diesem Jahr, an dem mein Leben relativ normal verlief. Das – vorläufige – Ende unserer bisherigen freien Gesellschaft konnten wir dann in den folgenden Tagen und Wochen miterleben. Wer konnte, verlagerte seine Arbeit in den Heimbereich. Ich nähte Behelfsmasken für Fremde und Freunde, ja, ich befürwortete das Vorgehen Bayerns, nachdem ich die Bilder aus Italien gesehen hatte und zog mich, soweit es ging, aus dem öffentlichen Leben zurück. Und dann begann ich nachzudenken…

Seit letzten Montag, den 27. April 2020 treten nun einige Lockerungen in Deutschland bezüglich der Maßnahmen gegen die Verbreitung des neuartigen Virus in Kraft. Auch in Bayern, dem Bundesland, das laut Statistiken die meisten Infizierten in Deutschland zu verzeichnen hat, diese Zahlen sollten natürlich auch immer in Relation zu den Einwohnern betrachtet werden, Bayern ist ja auch das bevölkerungsreichste Bundesland.

Ich habe bisher stets versucht, mir meine Welt selbst zu erklären. Konnte ich Zusammenhänge nicht verstehen, wusste ich, da gibt es Möglichkeiten, nachzulesen, sich zu informieren, tiefer zu gehen, bis ich meinte, zu verstehen. Die derzeitige Situation kann ich nicht mehr einordnen. Ich fühle mich nicht ausreichend informiert, ja, im Stich gelassen von den Menschen, denen ich die Regierung dieses Landes anvertrauten muss.

Als freiberuflich Tätige kann ich es mir – leidlich – einrichten, auch von zu Hause aus zu arbeiten. Da ich unter anderem psychosozial beratend tätig bin, führe ich Gespräche derzeit telefonisch durch. Da ich umständehalber viel mehr Zeit als früher zu Hause verbringe, informiere ich mich neben der Ausübung meiner Erwerbstätigkeit über die aktuelle weltweite Corona-bedingte Krise.

Zunächst informierte ich mich meist über die stündlichen Nachrichten im öffentlich-rechtlichen Rundfunk sowie über die österreichischen Medien. Da Corona und die Symptome der ausgebrochenen Krankheit Covid-19 Anfang März 2020 noch eine große Sorge bei mir auslösten, begrüßte ich die drastischen Maßnahmen der österreichischen Bundesregierung, dass Bayerns Ministerpräsident eine Woche später nachzog empfand ich als richtig und konsequent.

Aber irgendwann kam ich an den Punkt, an dem ich

  1. die täglich, ach was, stündliche Berieselung mit den Zahlen der Neuinfizierten und der Todesfälle in Deutschland, in Europa und in der Welt, nicht mehr hören wollte
  2. die Meinungsvielfalt zum Umgang mit der Eindämmung der Ausbreitung des Virus, gerade auch der Mediziner, in den Medien vermisste
  3. mich wunderte, dass Kritiker an den Maßnahmen zunächst durch Nichtbeachtung in den Leitmedien, dann durch die Warnung vor Fake News und schließlich durch Löschung von Medieninhalten auf Youtube und Facebook mundtot gemacht wurden

Ich möchte nicht missverstanden werden, ich begrüße es, wenn sich die Regierung eines Landes in gesundheitsrelevanten Fragen und Maßnahmen von Fachleuten, wie dem Robert-Koch-Institut und einen führenden Virologen beraten lassen, das war zunächst in meinen Augen sehr verantwortungsvoll und vertrauenswürdig. Warum aber wurde im Laufe der Zeit und durch den Zugewinn immer mehr Erkenntnisse kein runder Tisch von Experten einberufen, Meinungen von verschiedenen Fachgebieten aus beleuchtet und gerne auch kontrovers diskutiert?

Als Hendrik Streek im Kontext der sogenannten Heinsberg-Studie eine zweite Virologenmeinung äußerte, die mit der gängigen Auffassung zur Ausbreitung, Gefährlichkeit und den rigorosen Eindämmungsmaßnahmen nicht in allen Punkten übereinstimmte, wurde schon im Vorfeld der Veröffentlichung von vielen Seiten die „umstrittene Studie“ kritisiert, gerade auch die öffentlich-rechtlichen Medien waren hier federführend. Bis heute gehe ich davon aus, dass diese Studie unter der Einhaltung wissenschaftlicher Standards erfolgte. Umstritten darf sie ja durchaus sein – umstritten könnten auch die Zahlen des Robert-Koch-Instituts sein, oder die Aussagen des Herrn Drosten.

Interessant in diesem Zusammenhang ist die seit dem 27. April bestehende Maskenpflicht im Rahmen der schrittweisen Lockerung der Maßnahmen:
Verkehrten in den letzten Wochen in allen Lebensmittelläden, Drogerien und weiteren „Systemrelevanten“ Geschäften sowohl Mitarbeiter als auch Kunden ohne Masken in gebührendem Abstand miteinander, so müssen dieselben Menschen nun Plastik- oder Stoffmasken tragen. Wer dies nicht tut, muss mit hohen Bußgeldern rechnen.

Warum wurden in den Wochen zuvor, auch von dem „Chefvirologen“, Masken als unnötig, ja sogar kontraproduktiv bei der Eindämmung und Infizierung mit dem Virus bezeichnet, nun aber von unserer Regierung als unbedingt notwendiges Mittel zur Bekämpfung der Virusausbreitung angesehen und eingefordert?
Kann das tatsächlich nur daran liegen, dass Mund-Nasen-Schutzmasken in Deutschland lange Zeit aufgrund Lieferengpässe und anderer unglücklicher Umstände, wie dem Verschenken von Schutzausrüstung nach China oder in die palästinensischen Gebiete nicht vorhanden waren?

Die Erkenntnisse und Meinungen des Virologen Christian Drosten finden in einem Podcast und in zahlreichen Talkshows eine breite Beachtung, wenig hinterfragt und kritisiert – er erhielt sogar einen hochdotierten Preis für seine herausragende Kommunikation. Andere kritische Stimmen, wie die des Mikrobiologen und Infektionsepidemiologen Sucharit Bhakdi, des Notfallmediziners und Hals-Nasen-Ohrenarztes Bodo Schiffmann oder des Internisten, Pneumologen, Sozialmediziners und Arzt für Hygiene und Umweltmedizin Wolfgang Wodarg und vieler weiterer nationaler und internationaler Wissenschaftler hingegen werden als unwissenschaftlich, schlecht recherchiert, mit falschen Zahlen arbeitend, verschwörungstheoretisch oder schlicht als falsch abgetan.

Aber wäre nicht gerade angesichts eines neuartigen Virus und einer Situation, die, anfänglich als reine Herausforderung für unser Gesundheitssystem betrachtet, inzwischen die globale Wirtschaft und damit letztendlich wieder unsere Gesundheitssysteme bedroht, eine fachliche Diskussion verschiedener auf wissenschaftlichem Material basierenden Meinungen, Sichtweisen und Interpretationen unverzichtbar? Würde sich nicht verantwortungsvolles Regieren auch gerade dadurch auszeichnen?

Ich denke, ich gehörte zu den Menschen, die zunächst eine große Angst hatten, sich und damit auch Menschen, die den sogenannten Risokogruppen angehören, mit dem Virus anzustecken. Aber ich habe Erfahrungen im Umgang mit Ängsten, daher konfrontiere ich mich bewusst mit der Situation, um dann eine Bewältigungsstrategie für mich zu entwickeln. Und diese Konfrontation bedeutete im aktuellen Fall, mich zu informieren. Mit dem bisher gesammelten Wissen gehe ich davon aus, dass eine Infektion mit dem neuartigen Virus für die meisten Menschen nicht lebensbedrohlich verlaufen wird. Mir ist bewusst, dass es Menschen gibt, für die ein Ausbruch von Covid-19 eine große gesundheitliche Gefahr bedeutet und die deshalb besonders geschützt werden sollten, wenn sie das denn möchten. Aber ich kann nicht nachvollziehen, warum in der Bevölkerung solch eine Angst verbreitet wird.

Ich würde mich nicht als Verschwörungstheoretikerin bezeichnen, aber ist es nicht absolut menschlich, gerade wenn das Vertrauen in ein gewohntes System schwindet, wenn alle bekannten Strukturen, die bisher selbstverständlichen gesellschaftlichen und persönlichen Freiheiten, garantiert durch unser Grundgesetz, immer weiter und auf unabsehbare Zeit beschnitten und aufgeweicht werden, Informationen Beachtung zu schenken, die zuvor eher ungläubig oder sogar überheblich belächelt wurden?

So bin ich beispielsweise überhaupt keine Impfgegnerin, mein Impfbuch führe ich relativ gewissenhaft, auch meine Kinder habe ich impfen lassen. Ich lasse mich, auch weil ich als Freiberuflerin keine bezahlten Krankheitstage haben kann, jährlich gegen die Grippe impfen, auch wenn ich hier nicht unbedingt von einem Nutzen überzeugt bin.
Aber gegen die Schweinegrippe ließ ich weder mich, noch meine Kinder impfen – bekanntermaßen gab es gravierende Impfschäden – und mit einem relativ wenig getesteten Impfstoff gegen Covid-19 möchte ich mich auch nicht impfen lassen. Nun wird aber in letzerem Fall mittlerweile von einer möglichen Impfpflicht gesprochen. Obwohl alle Zahlen nicht für eine unkontrollierbare Pandemie sprechen, sondern inzwischen auf einen Rückgang des Virus hinweisen.

Folgende Fragen stelle ich mir immer öfter:

  • Wer könnte ein Interesse an der allgemeinen Verängstigung der Bevölkerung haben?
  • Wer könnte ein Interesse an einer massenhaften weltweiten Impfung haben?
  • Wer könnte daran interessiert sein, den kompletten Zusammenbruch ganzer Wirtschaftszweige durch die anhaltenden Maßnahmen in Kauf zu nehmen?
  • Warum ist unsere Bundeskanzlerin seit Beginn der drastischen Eindämmungsmaßnahmen plötzlich wieder, nach einer langen öffentlichen Abwesenheitsphase, präsent und diskreditierte zuletzt die Diskussion der Landesregierungen zur Lockerung der Maßnahmen als „Öffnungsdiskussionsorgien“?
  • Geht es bei alldem tatsächlich immer nur um den Schutz der Bevölkerung?
  • Welche Rolle spielt die WHO und welche Interessen verfolgt sie eigentlich?
  • Habe ich zu wenig Vertrauen in unsere Regierung?
  • Bin ich allgemein zu misstrauisch?
  • Stelle ich zu viele Fragen?
  • Gehöre ich jetzt auch zu den Anhängern von Verschwörungstheorien? Und – in diesem Zusammenhang – was genau sind eigentlich Verschwörungstheorien?

Ich möchte wieder Vertrauen in meine Welt haben können, mich auf Aussagen und Nachrichten verlassen können. Leider befürchte ich, dass ich ein neues Weltbild werde entwickeln müssen. Auf welchem Fundament dies gebaut sein wird, ist noch unklar. Es könnte ein sehr wackliges sein.