„We will succeed“ – zur Ansprache der Queen am 05. April 2020

Die 93-jährige Königin Elisabeth II hielt eine Fernsehansprache an die Briten, die in wenigen Minuten zeigte, was Identifikation mit einer Nation auszeichnet. Unser Bundespräsident, aber auch die Kanzlerin könnten einiges von ihr lernen.

Eine große Dame ist sie immer noch, die Königin von England, im Alter ihrer Mutter immer ähnlicher, sprach sie am Abend des 05.04.2020 zu den Briten. Eine kurze Ansprache, die dennoch Beachtung verdient.

Man mag zum britischen Königshaus stehen wie man möchte, es als Anachronismus betrachten, als von den englischen Steuerzahlern alimentierte Form der Chichi-Repräsentation oder auch als Lieferant für triviale Unterhaltungswerte, deren Schlagzeilen uns spätestens beim Arztbesuch ins Auge fallen. Dennoch gibt es von Zeit zu Zeit Momente, in denen das britische Königshaus, allen voran die Queen, Respekt verdienen.

Queen Elisabeth II fällt auch aus der Zeit, gerade auch im Vergleich mit ihren im medialen Rampenlicht stehenden Kindern und Kindeskindern und weitläufigeren Verwandten. In ihrer vornehmen angelsächsischen Zurückhaltung zeigt sich die frühe Verpflichtung zur Repräsentation des Königshauses. Ständig unter Beobachtung wird eine in der Anonymität gelebte Leichtigkeit nur im Verborgenen möglich gewesen sein. Umso mehr bewundere ich die Queen für ihre zumindest nach außen stets gezeigte Zurückhaltung in Zeiten, in denen ihr Königshaus Mittelpunkt von Skandalen war und davon gab es bekanntermaßen nicht wenige.

Nun wandte sich die Queen also ein fünftes Mal in ihrer Regentschaft direkt an die Briten, Premier Johnson benötigt unterdessen medizinische Betreuung im Krankenhaus und die Briten leiden, wie ein Großteil der Bevölkerung in Europa und auf weiteren Kontinenten, unter einschränkenden Maßnahmen zum Schutz ihres fragilen Gesundheitssystems und ihrer Risikogruppen. Zeit also, die Bevölkerung zu motivieren, weiterhin durchzuhalten und sich an die derzeitigen Regeln zu halten.

Und wer eigentlich, wenn nicht die Queen, wäre besser geeignet, ein Volk an eine gemeinsame Identität zu erinnern, an in früheren Zeiten gemeinsam durchlebtes und durchgestandenes Leid und daran, dass diese Zeiten das Volk stark machten und einten?

Als britische Königin, die schon während des zweiten Weltkrieges als 16-Jährige eine ermutigende Ansprache an evakuierte Kinder, die von ihren Familien getrennt waren hielt, besitzt sie genug Lebenserfahrung – auch wenn sie sicher nicht mit den großen Entbehrungen und persönlichen Verlusten vieler direkt vom Krieg betroffener einfacher Bürger konfrontiert war – um an den Nationalstolz der Briten appellieren zu können.

Einen Nationalstolz, den sie den Briten nicht nur aufgrund ihrer Vergangenheit bescheinigt, sondern auch als Teil ihrer Gegenwart und der gemeinsamen Zukunft beschwört. Sie appelliert an die Zusammengehörigkeit des britischen Volkes, die notwendig sei, um gemeinsam die Phase der Zurückhaltung und Isolation durchzustehen, damit eine baldige Rückkehr zur Normalität erfolgen kann.

Und mit ihrer Ansprache und den abschließenden Worten „We will meet again“ schenkt diese Grande Dame in ihrer zurückhaltenden Vornehmheit Menschen Vertrauen und Zuversicht in die eigene Stärke und die Stärke des Volkes, zu dem man sich zugehörig fühlt, weit über die Grenzen Großbritanniens hinaus.

Deutschland ist ein schönes, ein wunderbares Land. Der Lebensstandard vieler Menschen ist hoch, unser soziales System sowie unser Gesundheitssystem ist, verglichen mit anderen Ländern, trotz aller erfolgten Einsparungsmaßnahmen immer noch hoch. Demütiger Stolz auf dieses Land, auf seine Entwicklung seit 1945, aber auch auf zurückliegende kulturelle und wissenschaftliche Errungenschaften, stünde unserer Nation gut und trüge zu einer Heilung einer nicht nur virusbedingten erkrankten Nation bei. Stolz in Demut könnte einen, was derzeit gespalten ist, ohne die Angst vor einem bedrohlichen Nationalstolz zu schüren.

Eine ehrliche und authentische Ansprache, die ohne leere Worthülsen und medial-konform-gewohnte Sprechweise auskommt, eine Ansprache, die den Stolz auf unsere Identität mit unseren Werten, auf unser Land und auf unser Volk zum Ausdruck bringt – diese Ansprache war in Deutschland bisher leider nicht zu hören, wir hätten sie verdient.