Weiß oder männlich zu sein ist keine Schande – jedes Leben zählt!

So viele haben sich hingekniet und in den Staub gelegt. So viele entschuldigen sich für ihr Privileg weiß zu sein. So viele gehen auf die Straße gegen Rassismus. Was wir gerade erleben ist eine modifizierte Form des Rassismus und der Diskriminierung.

Nun also die Schwarzen Menschen, für deren Rechte und Gleichbehandlung lautstark und zahlreich demonstriert wird. Zuvor die Verschiedenstgeschlechtlichen, für deren Gleichberechtigung demonstriert oder gekämpft werden musste. Davor und immer noch kämpften und kämpfen die Frauen um ihre Gleichberechtigung, die es angeblich immer noch nicht gibt.

Auf der einen Seite sollen also alle Menschen gleich sein, sich nicht mehr voneinander unterscheiden, auf der anderen Seite aber werden die Unterschiede so sehr in den Vordergrund gestellt und ganze Gruppen scheinen ihre Daseinsberechtigung nur wegen dieser Unterschiede zu haben.

Und immer scheint es nur einen Kampf geben zu können. Die Seiten scheinen sich unversöhnlich gegenüberzustehen, eine Diskussion findet nicht statt, jeder ist von seiner Sicht überzeugt, nicht bereit auf die andere Seite zuzugehen.

Keine Frage, ein Mann ist in den USA unter grausamen Umständen vermutlich durch die Einwirkung eines Polizisten zu Tode gekommen. Das ist schrecklich und muss aufgeklärt werden und wird für die Beteiligten Konsequenzen haben.
Die Familie des Opfers wird das nicht trösten, eine schlimme Sache, wie sie leider immer wieder passiert. Auch in Deutschland kommen Menschen immer wieder gewaltsam zu Tode: Schwarze, Weiße, Junge, Alte. Das sollte niemals passieren und wenn es passiert, finden diese Fälle manchmal eine breitere mediale Öffentlichkeit, wie im Falle des ermordeten Walter Lübke, der NSU-Opfer, der Opfer von Halle. Oder sie werden als Einzelfall wenig bis kaum erwähnt, wie die jungen Frauen von Freiburg oder Kandel, der Familienvater in Augsburg, die Verletzten von Volkmarsen oder auch die Toten und Verletzten vom Breitscheidplatz.

Nun sind die Demonstrationen gegen Rassismus inzwischen auch in Europa und in Deutschland angekommen. Die Demonstrationen in den USA zogen Plünderungen und Brandanschläge mit sich, betroffen waren auch schwarze Geschäftsleute, die diese Taten und diese Demonstrationen im Übrigen nicht alle begrüßten, zum Teil aufs Schärfste verurteilten.

Schwarze US-Amerikaner, vor allem die ältere Generation und deren Vorfahren haben eine lange Leidensgeschichte hinter sich, sie wurden in der Tat separiert und diskriminiert. Mit Martin Luther King, der zu gewaltfreien Demonstrationen aufrief, fand die schwarze Bewegung einen charismatischen Führer, die Rassentrennungsgesetze wurden 1964 aufgehoben.

Rassismus und Diskriminierung findet sich weiterhin in jeder Gesellschaftsschicht, in jedem Land, in jedem sozialen Kontext. Rassismus ist meiner Meinung nach ein evulotionsgeschichtlicher Teil des Menschen und zeigt sich vielleicht in sozialisierter Form und wertekonform in der Abgrenzung einzelner Gruppen von anderen, in der argwöhnischen Betrachtung neu Hinzugezogener oder neuer Kollegen. Dass ganze Bevölkerungsgruppen diskriminiert werden, oder dass sie aufgrund ihres sozialen Status benachteiligt sind, ist bedauerlich, aber mit den 1950er und 1960er Jahren heute sicherlich nicht mehr vergleichbar.

Dass sich schwarze Menschen oder Menschen, deren ethnische Wurzeln offensichtlich nicht europäisch sind, diskriminiert fühlen, weil sie gefragt werden, woher sie eigentlich kämen, oder die Bemerkung fällt „sie können aber gut Deutsch“, kann ich dagegen nicht nachvollziehen, können diese Bemerkungen doch auch schlicht und einfach ein ehrliches Interesse bekunden.

Ich verstehe den Hintergrund der Demonstrationen in den USA, ich verstehe ihn aber nicht hier in Europa, in Deutschland. Fast scheint es mir, als hätten die jungen Menschen nur darauf gewartet, endlich einen Grund zu haben, um wieder für eine gute Sache demonstrieren gehen zu können.

Warum nur scheint es nicht möglich zu sein, dass Menschengruppen ohne sich über andere Gruppen zu erhöhen, wertschätzend, friedlich, ohne Neid und Missgunst miteinander leben können?

Muss ich mich selbst wirklich erst erniedrigen, damit eine andere Gruppe Anerkennung erfährt?

Und ich habe überhaupt kein Verständnis dafür, dass Stimmen, die sagen „All lives matter“ sofort mundtot gemacht werden, weil sie nichts verstanden hätten. Warum denn eigentlich? Muss ich mich denn dafür schämen, dass ich weiß bin? Ich möchte das nicht. Ich möchte mir auch keine neue Sprache zulegen, damit sich auch ja niemand mehr rassistisch diskriminiert und ausgeschlossen fühlt.

Zu welchem Zeitpunkt ist eine Gesellschaft denn nicht mehr rassistisch? Und wer bestimmt das? Wie sieht es denn in diesem Zusammenhang mit der männlichen weißen Bevölkerung in unserer Gesellschaft aus? Junge weiße Männer, aufgewachsen mit feministisch geprägten Müttern, manchmal mit abwesenden Vätern oder Vätern, die sich erst in ihrem neuen feministisch diktierten Rollenbild finden mussten, die weich, verständnisvoll und unmännlich sein sollten. Diese jungen Männer müssen nun im SPD-Parteiprogramm lesen, dass das Patriarchat überwunden werden soll. Sie müssen sich immer noch für ihr Mannsein verantworten, dürfen nicht mehr männlich sein. Das ist ebenfalls eine Form des Rassimus und der Diskriminierung.

In einer gendersensiblen Sprache wird vorwiegend der substantivierte Infinitiv verwendet, ohne zu beachten, dass Substantive häufig ein natürliches Geschlecht haben, das nichts mit dem männlichen oder weiblichen Geschlecht zu tun hat. Und neben der gendersensiblen Sprache muss ich auch eine kultursensible Sprache beherrschen, damit ich nicht versehentlich eine ethnische oder andersgeschlechtliche Gruppe diskriminiere. Vielleicht bin ich inzwischen zu alt, zu konservativ, zu weiß, zu unwillig… ich bin das alles so leid.

Ich möchte nicht immer korrekt sein, ich möchte mich auch spontan und unkorrekt äußern können. Auch das gehört meiner Meinung nach zu einem freien Leben in einer freien Gesellschaft, die wir immer mehr zu verlieren scheinen.