Weiter so!…?

Kleine Gedankenreise

Ich bin vom Typ her grundsätzlich kein trauriger oder grüblerisch veranlagter Mensch. Eher im Gegenteil – der Antritt einer Arbeitsstelle wäre einmal aufgrund meiner Fröhlichkeit fast nicht zustande gekommen, erfuhr ich im Nachhinein („mit der stimmt doch was nicht“) – was sowohl für mich als auch für die Menschen mit denen ich dann arbeitete, vielleicht schade gewesen wäre…

Aber auch sonnige Gemüter, denen erfahrungsgemäß schneller eine gewisse Oberflächlichkeit unterstellt wird, haben es in unseren Zeiten nicht immer leicht, diese Eigenschaft zu bewahren und zu pflegen. Man kann ja nicht immer die Augen verschließen und mit einer rosaroten Brille durch die Straßen fahren oder durch das Leben gehen.

Ich lebe und arbeite in München – oh, diese schöne weltoffene Stadt mit dem wunderbaren Lebensmotto „Leben und leben lassen“ – und dieses Privileg schätze ich sehr: Kann ich es mir doch leisten, das Leben hier, das Wohnen hier, das Gefühl zu haben, es geht mir gut. Hier.

Wird das so bleiben? Je länger ich hier lebe, umso sensibler scheine ich zu reagieren auf die Anzeichen einer schon begonnenen Zeit der Kälte und eines Zustandes, ich möchte ihn mal „Verlust der Unschuld und des Anstandes“ nennen.

Ich mag meine Heimatstadt, sehr. Immer noch. Aber diese Stadt scheint die Menschen zu verlieren, die sie lebens- und liebenswert machen. Wer sich die Miete seiner Wohnung leisten kann und seine Wohnung auch noch als gemütliches Zuhause betrachten kann, schätzt sich glücklich in diesen Zeiten. Doch in das Glück kann sich immer häufiger die Frage „Wie lange noch?“ hineindrängen.

Wie lange noch kann ich mir die Miete leisten? Wie lange werde ich mich in meiner Wohnung und meiner Umgebung noch zuhause fühlen? Wie lange noch werde ich die alten Häuser erkennen, die gewohnten Geschäfte aufsuchen können? Wie lange noch werde ich die gewohnten und vertrauten Gesichter in meinem Viertel sehen? Wie lange noch werden mich die neuen Bewohner meines Stadtviertels ertragen? Wie lange wird es noch dauern, bis auch ich weggentrifiziert werde? Wie lange wird es dauern, bis ich eine neue Wohnung finde, wo?

Altersarmut, Gentrifizierung, Nachverdichtung, Veränderung in der Bevölkerungsstruktur, Verkehrskollaps… hinnehmen? wegschauen? erdulden? ertragen? …könnte mich ja auch treffen, irgendwannbalddemnächsthoffentlichnie!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.