Die Freiheit

Wundersames Tier

„Denn nur in Freiheit kann die Freiheit Freiheit sein“ – Kurze Gedanken und Fragen zu einem Lied von Georg Danzer

Georg Danzer lebt leider nicht mehr. Täte er es noch, würde er vielleicht weiterhin auf dem Donauinselfest spielen, ich wäre vielleicht öfter schon dort gewesen und hätte ihm zugehört. Nun – ich werde dieses Jahr hoffentlich da sein und mein Glas auf ihn erheben.

Ich möchte mich als freiheitsliebenden Menschen bezeichnen, als Freigeist vielleicht auch. Das mag einerseits meinem Charakter geschuldet sein, andererseits vielleicht auch meiner gesammelten Lebenserfahrung.

Vorschriften, Gebote, Verbote, Aufforderungen, deren Sinn sich mir nicht erschließt, oder ein erhobener Zeigefinger, wecken bei mir häufig eine gegenteilige Trotzreaktion. Das leiste ich mir – natürlich nicht immer – ich bin ja ein erwachsener Mensch, dem mögliche Konsequenzen des eigenen Handelns zumeist bewusst sind.

Ich freue mich über das Privileg, in die freie demokratische Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland hineingeboren worden zu sein, nicht in die einheitssozialistischdiktatorische DDR, wie es auch leicht hätte kommen können. Eine Fügung des Schicksals, die ich immer als Glück für mich empfand. Auch wenn wir ja nun schon seit mehr als dreißig Jahren wieder vereint sind…

So konnte ich aus der sicheren westdeutschen Ferne das Versenden von Paketen und den vorherigen Einkauf der von den Verwandten gewünschten Markenprodukte verfolgen; die seltenen Besuchsfahrten über die Transitstrecke mit Kofferraumdurchsuchungen in das graue Leipzig, die seltsamen Kinofilme (mit ungewöhnlich vielen nackten Menschen) und die 20 Aluminiumgroschen Eintrittsgeld leben weiter als schaurig-schöne fragmentarische Erinnerungen.

Dennoch halte ich mich gerne an Regeln, die ich nachvollziehen kann und deren Sinnhaftigkeit ich erkenne. Ich möchte sogar behaupten, dass Freiheit ohne Regeln nicht wirklich Bestand haben kann.

Eine Gesellschaft mit freien Menschen mit einem freien Geist kann meiner Meinung nach nur auf einem Fundament der Sicherheit ruhen; der freie Mensch sollte sich demnach geborgen fühlen in einem System, welches ihm seine Unversehrtheit gewährleistet. Ansonsten bin ich nämlich unfrei und ängstlich gefangen in einem System, wo möglicherweise der einzelne nicht mehr zählt.

Wie definiere ich meine persönliche Freiheit?

Ich kann entscheiden, wie ich leben mag, im Rahmen meiner Möglichkeiten mein Leben selbstbestimmt und unabhängig führen. Ich habe die Freiheit, für andere da zu sein, wenn ich das möchte. Ich übe einen Beruf aus, der mir neben einer Einkunft manchmal auch Freude bereitet. Ich habe die Freiheit, mich zu kleiden, wie mir das gefällt.

Diese Freiheit braucht meiner Meinung nach einen sicheren Rahmen, in welchem sie förderlich gedeihen kann. Sie muss gehegt und gepflegt werden. Sie ist niemals als selbstverständlich zu betrachten.

Gibt es auch eine Freiheit in einem totalitären System? Ich wage nicht, das zu beurteilen, denn ich fühle mich ja – noch – nicht betroffen. Aber, ja, möglicherweise wäre das dann eher eine innere Freiheit.

Demnach kann ich mich theoretisch auch frei fühlen, selbst wenn die Gesellschaft in der ich lebe dies nicht ermöglicht? Und definiert nicht zuletzt auch jeder seine Freiheit selbst und individuell?

Das Recht auf Freiheit in unserem Land und auch wo diese endet, ist in unserem Grundgesetz verankert. Warum nur beschleicht mich immer mehr die Angst, meine Freiheit, die Freiheit meiner Kinder, die Freiheit unserer Gesellschaft ist bedroht?

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„Die Freiheit“ von Georg Danzer

Vor ein paar Tagen ging ich in den Zoo
Die Sonne schien, mir war ums Herz so froh
Vor einem Käfig sah ich Leute stehn
Da ging ich hin, um mir das näher anzusehn
Da ging ich hin, um mir das näher anzusehn

„Nicht Füttern“ stand auf einem großen Schild
„Und bitte auch nicht reizen, da sehr wild“
Erwachsene und Kinder schauten dumm
Und nur ein Wärter schaute grimmig und sehr stumm
Und nur ein Wärter schaute grimmig und sehr stumm

Ich fragte ihn, „wie heißt denn dieses Tier?“
„Das ist die Freiheit“, sagte er zu mir
„Die gibt es jetzt so selten auf der Welt
Drum wird sie hier für wenig Geld zur Schau gestellt
Drum wird sie hier für wenig Geld zur Schau gestellt“

Ich schaute und ich sagte, „lieber Herr
Ich sehe nichts, der Käfig ist doch leer“
„Das ist ja gerade“, sagte er, „der Gag
Man sperrt sie ein und augenblicklich ist sie weg
Man sperrt sie ein und augenblicklich ist sie weg“

Die Freiheit ist ein wundersames Tier
Und manche Menschen haben Angst vor ihr
Doch hinter Gitterstäben geht sie ein
Denn nur in Freiheit kann die Freiheit Freiheit sein


Denn nur in Freiheit kann die Freiheit Freiheit sein…